Gesichtsöl klingt für viele Menschen nach etwas, das die Haut unnötig beschwert. Doch oft ist das Gegenteil der Fall: Das richtige Öl, korrekt angewendet, zieht schnell ein und verleiht der Haut ein angenehmes, geschmeidiges Gefühl. In diesem Artikel erfahren Sie, was Gesichtsöl eigentlich ist, wie Sie es anwenden und welches Öl zu welchem Hauttyp sowie zu welcher Tageszeit am besten passt.
1. Was ist Gesichtsöl und wie wirkt es?
Gesichtsöl ist ein pflanzliches Öl, das speziell für die Anwendung im Gesicht entwickelt wurde. Pflanzliche Öle sind von Natur aus reich an Fettsäuren, fettlöslichen Vitaminen und Antioxidantien. Sie enthalten kein Wasser und wirken anders als eine Creme oder ein Serum: Anstatt der Haut direkt Feuchtigkeit zuzuführen, stärken sie die Lipidschicht – die äußere Schutzbarriere, die den Feuchtigkeitsverlust verhindert.
Da pflanzliche Öle in ihrer Zusammensetzung den hauteigenen Lipiden sehr ähnlich sind, werden sie in den meisten Fällen hervorragend vertragen. Sie ergänzen die natürliche Produktion der Haut und füllen Defizite dort auf, wo sie benötigt werden.
Bei trockener oder spannender Haut spielt die Hautbarriere eine zentrale Rolle beim Speichern von Feuchtigkeit. Erfahren Sie mehr über den Mechanismus des Feuchtigkeitsverlusts und die Rolle von Lipiden in unserem ausführlichen Ratgeber über trockene Haut und die Hautbarriere.
Gesichtsöl führt der Haut kein Wasser zu. Es unterstützt die Lipidschicht, die verhindert, dass vorhandene Feuchtigkeit verdunstet. Tragen Sie es daher für optimale Ergebnisse immer auf die leicht feuchte Haut auf.
2. Was Gesichtsöl für die Haut tun kann
Der Nutzen von Gesichtsöl hängt stark von der Art des Öls und den Bedürfnissen der Haut ab. Im Allgemeinen unterstützen pflanzliche Gesichtsöle die Haut dabei, Feuchtigkeit zu bewahren, geschmeidig zu bleiben und über Tag und Nacht ein angenehmes Hautgefühl aufrechtzuerhalten.
Bei trockener oder spannender Haut ist Gesichtsöl ein logischer Schritt: Die Haut produziert von Natur aus weniger Lipide, und ein Öl gleicht diesen Mangel aus. Bei anderen Hauttypen bestimmt die Wahl des Öls das Resultat. Ein leichtes, schnell einziehendes Öl wirkt anders als ein reichhaltiges, nährendes Öl. Mehr darüber, welche Inhaltsstoffe gut zu trockener Haut passen, lesen Sie in unserem Artikel über Inhaltsstoffe zur Unterstützung trockener Haut.
3. Wie trägt man Gesichtsöl richtig auf?
Die Art des Auftragens bestimmt maßgeblich, wie sich das Öl anfühlt und wie effektiv es wirkt. Ein paar Tropfen auf trockener Haut fühlen sich ganz anders an als dieselbe Menge auf leicht feuchter Haut.
Schritt für Schritt
- Reinigen Sie die Haut sanft. Entfernen Sie Schmutz und Make-up, ohne die Haut unnötig zu entfetten. Verwenden Sie lauwarmes Wasser und tupfen Sie die Haut trocken, anstatt zu reiben.
- Tragen Sie bei Bedarf ein Hydrolat auf. Ein Hydrolat wie Rosenwasser spendet eine leichte Feuchtigkeitsschicht und bereitet die Haut auf das Öl vor. Warten Sie kurz, bis es eingezogen ist, aber lassen Sie die Haut nicht vollständig trocknen.
- Nehmen Sie ein bis drei Tropfen Öl. Verteilen Sie das Öl zwischen den Fingerspitzen und erwärmen Sie es kurz durch sanftes Reiben. Verwenden Sie morgens weniger, abends darf es etwas mehr sein.
- Drücken Sie das Öl sanft in die Haut ein. Massieren Sie nicht zu fest. Nutzen Sie leichten Druck mit den Handflächen oder Fingerspitzen. Dies verhindert, dass Sie das Öl zu weit verreiben oder die Haut reizen.
- Geben Sie dem Öl Zeit. Warten Sie ein bis zwei Minuten, bevor Sie eine weitere Schicht auftragen oder das Haus verlassen.
Weniger ist mehr. Zwei Tropfen auf leicht feuchter Haut wirken besser als fünf Tropfen auf trockener Haut. Beginnen Sie immer mit einer kleinen Menge und passen Sie diese an das Gefühl Ihrer Haut an.
4. Morgen oder Abend: Wann verwendet man Gesichtsöl?
Gesichtsöl kann sowohl morgens als auch abends verwendet werden, wobei die Wahl des Öls je nach Zeitpunkt variieren sollte.
| Zeitpunkt | Empfohlener Öltyp | Grund |
|---|---|---|
| Morgen | Leichtes, schnell einziehendes Öl (z. B. Jojoba) | Kein schweres Gefühl unter Make-up oder bei Kontakt mit Wind und Sonne. |
| Abend | Reichhaltigeres, nährendes Öl (z. B. Avocado oder Hagebutte) | Die Haut hat über Nacht Zeit, das Öl aufzunehmen; intensivere Pflege möglich. |
Für eine vollständige Übersicht darüber, was Sie morgens und abends bei trockener Haut tun können, lesen Sie unseren Artikel über die tägliche Routine bei trockener Haut.
5. Welches Gesichtsöl passt zu Ihrer Haut?
Nicht jedes Öl funktioniert bei jedem Hauttyp. Die Zusammensetzung, insbesondere das Verhältnis von Ölsäure zu Linolsäure, bestimmt, ob ein Öl besser zu trockener, fettiger oder Mischhaut passt.
Jojobaöl
Jojobaöl besteht aus Wachsestern, die dem menschlichen Talg sehr ähnlich sind. Es ist eines der wenigen Öle, das von fast allen Hauttypen gut vertragen wird, auch von fettiger oder empfindlicher Haut. Es ist leicht, zieht schnell ein und ist ideal für die tägliche Anwendung am Morgen.
Arganöl
Arganöl ist reich an Ölsäure und Vitamin E. Die Textur ist leicht bis mittel und es zieht angenehm ein. Es eignet sich hervorragend für trockene oder normale Haut, die tagsüber und abends eine milde Pflege benötigt.
Hagebuttenkernöl
Hagebuttenkernöl (Wildrosenöl) hat einen hohen Linolsäuregehalt und eignet sich daher besser für Hauttypen, die zu einer ungleichmäßigen Textur neigen oder schnell spannen. Es ist leicht und sollte bevorzugt abends verwendet werden.
Avocadoöl
Avocadoöl ist reichhaltiger als andere Öle und enthält neben Ölsäure auch Vitamin E und Phytosterole. Eine exzellente Wahl für die Abendroutine bei trockener Haut, die zusätzliche Unterstützung benötigt.
Sie sind sich unsicher, welches Öl am besten zu Ihnen passt? Beginnen Sie mit Jojobaöl. Es wird von fast allen Hauttypen gut vertragen und ist leicht genug für den täglichen Gebrauch.
6. Häufige Fehler bei der Anwendung von Gesichtsöl
Zu viel Öl verwenden
Ein häufiger Fehler ist das Auftragen von zu viel Öl in der Hoffnung auf ein besseres Ergebnis. Mehr Öl führt jedoch nicht zu mehr Wirkung. Ein bis drei Tropfen für das gesamte Gesicht sind in der Regel völlig ausreichend. Zu viel Öl kann sich schwer oder klebrig anfühlen und zieht schlechter ein.
Öl auf vollständig trockener Haut auftragen
Öl schließt Feuchtigkeit ein, fügt aber selbst keine hinzu. Tragen Sie daher immer zuerst ein Hydrolat auf oder verwenden Sie das Öl direkt nach der Reinigung, solange die Haut noch leicht feucht ist. So ist Feuchtigkeit vorhanden, die versiegelt werden kann.
Das falsche Öl für die Tageszeit wählen
Ein reichhaltiges Öl am Morgen kann ein schweres Gefühl verursachen, besonders unter Make-up. Bewahren Sie nährende Öle wie Avocadoöl für den Abend auf und wählen Sie tagsüber eine leichtere Option.
Kein Patch-Test bei einem neuen Öl
Auch vollständig natürliche Öle können bei manchen Menschen Reaktionen auslösen. Führen Sie bei einem neuen Öl immer einen Patch-Test durch: Tragen Sie eine kleine Menge auf die Innenseite des Handgelenks oder hinter das Ohr auf und warten Sie 24 Stunden ab.
Häufig gestellte Fragen
Macht Gesichtsöl die Haut fettiger oder verstopft es die Poren?
Das hängt vom Öl ab. Jojobaöl hat eine sehr niedrige Komedogenitätsrate und verstopft die Poren kaum. Reichhaltige Öle mit hohem Ölsäuregehalt, wie Avocadoöl, sind weniger für fettige oder zu Akne neigende Haut geeignet. Verwenden Sie immer eine kleine Menge und wählen Sie ein Öl, das zu Ihrem Hauttyp passt.
Kann ich Gesichtsöl unter Make-up verwenden?
Ja, aber wählen Sie ein leichtes Öl, das schnell einzieht, wie Jojoba- oder Arganöl. Geben Sie dem Öl zwei bis drei Minuten Zeit zum Einziehen, bevor Sie Make-up auftragen. Zu viel oder ein zu reichhaltiges Öl kann dazu führen, dass das Make-up "verrutscht".
Was ist das beste Gesichtsöl für trockene Haut?
Für trockene Haut funktionieren Öle mit hohem Ölsäuregehalt am besten: Avocadoöl und Arganöl sind nährende Optionen für den Abend. Hagebuttenkernöl ist leichter und ideal für tagsüber. Jojobaöl ist vielseitig einsetzbar und das sicherste Einstiegsöl, wenn man noch nicht weiß, welches Öl passt. Für eine ausführliche Übersicht lesen Sie unseren Öl-Wegweiser.
An welcher Stelle in meiner Routine verwende ich Gesichtsöl?
Gesichtsöl ist immer der letzte Schritt vor dem Sonnenschutz. Die Reihenfolge lautet: Reinigung, Hydrolat (z. B. Rosenwasser), eventuell Serum, dann Öl und tagsüber LSF. Das Öl bildet den abschließenden Lipidschritt, der die vorherigen wässrigen Schritte in der Haut einschließt. Nach einem Öl sollten keine wasserbasierten Produkte mehr aufgetragen werden, da diese dann schlechter einziehen.
Wie viele Tropfen Gesichtsöl benötige ich?
Für das Gesicht sind ein bis drei Tropfen am Morgen und zwei bis vier Tropfen am Abend in der Regel völlig ausreichend. Beginnen Sie immer mit wenig und passen Sie die Menge an Ihr Hautgefühl an. Wenn die Haut nach dem Auftragen glänzt oder sich schwer anfühlt, verwenden Sie wahrscheinlich zu viel.
Ist Gesichtsöl für empfindliche Haut geeignet?
Ja, aber wählen Sie sorgfältig aus. Öle ohne Parfüm, Zusätze oder ätherische Öle sind am besten für empfindliche Haut geeignet. Jojobaöl und Hanfsamenöl werden von den meisten empfindlichen Hauttypen gut vertragen. Machen Sie bei einem neuen Öl immer einen Patch-Test in der Ellenbeuge und warten Sie 24 Stunden ab.
Gesichtsöl Erfahrungen: Was kann man realistisch erwarten?
Die meisten Menschen, die Gesichtsöl konsequent anwenden, berichten nach ein bis zwei Wochen von einem geschmeidigeren und angenehmeren Hautgefühl. Die Haut spannt nach der Reinigung weniger und trocknet über den Tag hinweg weniger aus. Erwarten Sie in den ersten Tagen keine dramatische Veränderung: Öl wirkt kumulativ, und der Effekt verdeutlicht sich bei konsequenter täglicher Anwendung.
Kann ich Gesichtsöl zum Entfernen von Make-up verwenden?
Ja. Pflanzliche Öle lösen Make-up – auch wasserfestes – effektiv auf. Tragen Sie ein paar Tropfen auf das trockene Gesicht auf, massieren Sie diese sanft in kreisenden Bewegungen ein und entfernen Sie die Rückstände mit einem feuchten Wattepad oder Waschlappen. Reinigen Sie die Haut anschließend erneut mit einem milden Reiniger, um Öl- und Make-up-Reste vollständig zu entfernen.
Was ist der Unterschied zwischen Gesichtsöl und einer Gesichtscreme?
Eine Gesichtscreme ist eine Emulsion aus Wasser und Öl und enthält neben Fetten auch Feuchtigkeit, Emulgatoren und Konservierungsstoffe. Ein reines Gesichtsöl enthält ausschließlich Lipide und kein Wasser. Öl stärkt die Hautbarriere und schließt Feuchtigkeit ein; eine Creme fügt zusätzlich direkt Feuchtigkeit hinzu. Für trockene Haut arbeiten beide am besten zusammen: zuerst ein wässriger Schritt (Hydrolat oder Creme), dann Öl als Abschluss.
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