Hanfsamenöl besticht durch sein Fettsäureprofil: Es enthält Linolsäure und Alpha-Linolensäure in einem Verhältnis von etwa 3 zu 1, was dem optimalen Verhältnis für die menschliche Haut sehr nahe kommt. Linolsäure ist die dominante Fettsäure und spielt eine spezifische Rolle in der Hautbarriere: Sie ist ein Baustein von Ceramiden, jenen Lipiden, welche die Hautzellen zusammenhalten und die Feuchtigkeitsverdunstung begrenzen. Für das Haar bedeutet dies, dass Hanfsamenöl besonders gut für eine empfindliche oder reaktive Kopfhaut sowie für feines Haar geeignet ist, das unter schwereren Ölen schnell zusammenfällt. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Hintergründe, die Anwendungen und die Grenzen von Hanfsamenöl für Haar und Kopfhaut. Den breiteren Kontext von Ölen in einer Haar-Routine finden Sie in unserem Ratgeber über Haar- und Kopfhautgesundheit.
1. Fettsäureprofil: Linolsäure und das Omega-3:6-Verhältnis
Hanfsamenöl besteht zu etwa 55 bis 60 Prozent aus Linolsäure (Omega-6) und zu 15 bis 25 Prozent aus Alpha-Linolensäure (Omega-3). Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 liegt damit bei etwa 3:1, was als ein für eine gesunde Hautbarriere günstiges Verhältnis gilt. Zum Vergleich: Die meisten westlichen Ernährungsmuster liefern ein Verhältnis von 15:1 oder höher, wobei das Gleichgewicht stark zugunsten von Omega-6 ausschlägt.
Linolsäure ist für Haar und Kopfhaut relevant, da sie eine Vorstufe von Ceramiden ist. Ceramide sind Lipidmoleküle, welche die Hautzellen im Stratum corneum zusammenhalten und den transepidermalen Wasserverlust begrenzen. Ein Mangel an Ceramiden geht mit einer beeinträchtigten Barrierefunktion einher, was sich auf der Kopfhaut als Trockenheit, Empfindlichkeit und erhöhte Reaktivität äußert. Öle, die reich an Linolsäure sind, wie Hanfsamenöl, können die Ceramidproduktion in der Haut unterstützen.
Neben Linolsäure enthält Hanfsamenöl auch Gamma-Linolensäure (GLA), eine seltenere Omega-6-Fettsäure, die nicht in allen Pflanzenölen vorkommt. GLA wird im Körper in entzündungshemmende Prostaglandine umgewandelt und ist vor allem aus Nachtkerzenöl und Borretschöl bekannt. Der Anteil an GLA in Hanfsamenöl liegt niedriger als in diesen Ölen, trägt aber zum markanten Fettsäureprofil bei.
Hanfsamenöl enthält weder CBD noch andere Cannabinoide. Es wird aus den Samen der Hanfpflanze gepresst, nicht aus den Blüten oder Blättern. Der psychoaktive Stoff THC ist in kaltgepresstem Hanfsamenöl von guter Qualität nicht enthalten.
2. Hanfsamenöl auf der Kopfhaut
Der Linolsäuregehalt macht Hanfsamenöl besonders geeignet als Pre-Wash-Behandlung für die Kopfhaut. Öle, die reich an Linolsäure sind, werden im Allgemeinen auf einer empfindlichen oder reaktiven Haut besser vertragen als Öle, die von Ölsäure (Omega-9) dominiert werden, wie Olivenöl oder Avocadoöl. Ölsäurereiche Öle sind reichhaltiger und nährender, können aber bei manchen Menschen mit sensibler Kopfhaut die Barriere sogar weiter stören.
Auch für eine fettige Kopfhaut bietet Hanfsamenöl Vorteile. Es ist nicht komedogen und hat einen Komedogenitätswert von 0, was bedeutet, dass es die Haarfollikel nicht verstopft. Die leichte Textur lässt sich ohne klebrige Rückstände einfach verteilen. Personen mit fettiger Kopfhaut, die dennoch ein Pre-Wash-Öl verwenden möchten, finden in Hanfsamenöl eine leichtere Alternative zu schwereren Ölen wie Rizinusöl oder Avocadoöl.
Tragen Sie eine kleine Menge auf die Kopfhaut auf, massieren Sie sie sanft mit den Fingerspitzen ein und lassen Sie sie 15 bis 30 Minuten vor dem Waschen einwirken. Verwenden Sie danach ein mildes Shampoo. Mehr zur Technik der Pre-Wash-Öle und wann diese sinnvoll sind, lesen Sie in unserem Blog über Haarporosität und Öle.
3. Hanfsamenöl auf dem Haarschaft
Auf dem Haarschaft wirkt Hanfsamenöl als leichte Schutzschicht. Es dringt über die Cuticula teilweise in den Haarschaft ein und reduziert den Feuchtigkeitsverlust. Die feine Textur macht es ideal als Leave-in-Pflege für die Mittellängen und Spitzen, ohne das Haar zu beschweren – ein klarer Unterschied zu reichhaltigeren Ölen wie Rizinus- oder Avocadoöl.
Für feines Haar oder Haar mit niedriger Porosität ist die leichte Textur ein großer Vorteil: Schwerere Öle bleiben auf der geschlossenen Schuppenschicht liegen und hinterlassen ein klebriges, schweres Gefühl. Hanfsamenöl verteilt sich besser und dringt bei einer kompakten Cuticula leichter ein. Mehr darüber, wie die Porosität die Ölaufnahme bestimmt, lesen Sie in unserem Blog über Haarporosität und Öle.
Ein Nachteil von Hanfsamenöl auf dem Haarschaft ist die Haltbarkeit. Hanfsamenöl ist relativ reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und daher anfälliger für Oxidation als Öle mit einem höheren Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren wie Arganöl oder Jojobaöl. Bewahren Sie Hanfsamenöl an einem dunklen, kühlen Ort auf und verbrauchen Sie es innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach dem Öffnen.
4. Für welchen Haartyp eignet es sich am besten?
| Haartyp / Situation | Eignung Hanfsamenöl | Erläuterung |
|---|---|---|
| Feines Haar, niedrige Porosität | Hervorragend | Leichte Textur, die nicht beschwert; verteilt sich gut auf kompakter Cuticula. |
| Empfindliche oder reaktive Kopfhaut | Hervorragend | Linolsäurereiche Öle werden bei einer gestörten Barriere meist besser vertragen. |
| Fettige Kopfhaut | Gut | Nicht komedogen, leichte Textur, kein Build-up bei korrekter Dosierung. |
| Normales Haar, Mischtyp Kopfhaut | Gut | Vielseitig einsetzbar sowohl für die Kopfhaut- als auch für die Haarschaftpflege. |
| Trockenes, dickes oder hochporöses Haar | Mittel (als einziges Öl) | Kann mit reichhaltigeren Ölen für mehr Pflege am Haarschaft kombiniert werden. |
| Chemisch behandeltes, stark geschädigtes Haar | Unterstützend, allein nicht ausreichend | Am besten mit einem reichhaltigeren Öl wie Avocadoöl für besseren Schutz der Cuticula kombinieren. |
5. Hanfsamenöl im Vergleich zu Jojoba, Arganöl und Rizinusöl
Hanfsamenöl nimmt eine eigenständige Position neben den anderen Ölen ein, die häufig für Haar und Kopfhaut verwendet werden.
| Hanfsamenöl | Jojoba | Arganöl | Rizinusöl | |
|---|---|---|---|---|
| Dominante Fettsäure | Linolsäure (Omega-6) | Wachsester (keine Fettsäure) | Ölsäure (Omega-9) | Rizinolsäure |
| Textur | Leicht, zieht trocken ein | Leicht, schnell absorbiert | Leicht bis mittel | Dickflüssig, okklusiv |
| Haltbarkeit | Mittel (6-12 Monate) | Exzellent (2+ Jahre) | Gut (12-18 Monate) | Exzellent (2+ Jahre) |
| Stärkste Anwendung Haar | Sensible Kopfhaut, feines Haar | Fettige/normale Kopfhaut, alle Haartypen | Trockener Haarschaft, Hitzeschutz | Pre-Wash-Mix, okklusive Pflege |
| Komedogenität | 0 (nicht komedogen) | 2 (niedrig) | 0 (nicht komedogen) | 1 (niedrig) |
Mehr über Jojobaöl für Haar und Gesicht lesen Sie in unserem Blog über Jojobaöl, und mehr über Arganöl in unserem Blog über Arganöl für das Haar.
6. So wenden Sie Hanfsamenöl an
Pre-Wash-Behandlung für die Kopfhaut
Tragen Sie 4 bis 6 Tropfen auf die trockene oder nur leicht feuchte Kopfhaut auf. Verteilen Sie das Öl mit den Fingerspitzen und massieren Sie es sanft ein. Lassen Sie es 15 bis 30 Minuten einwirken. Spülen Sie es anschließend gründlich aus und waschen Sie das Haar mit einem milden Shampoo. Hanfsamenöl lässt sich aufgrund der leichten Textur relativ einfach auswaschen.
Leave-in für den Haarschaft
Geben Sie nach dem Waschen 1 bis 3 Tropfen in die Mittellängen und Spitzen des noch leicht feuchten Haares. Verreiben Sie das Öl vor dem Auftragen gut zwischen den Handflächen. Sparen Sie den Ansatz und die Kopfhaut direkt aus. Bei feinem Haar beginnen Sie mit nur einem Tropfen: Mehr ist selten besser.
Kombination mit anderen Ölen
Bei trockenem oder geschädigtem Haar mit hoher Porosität können Sie Hanfsamenöl mit einem reichhaltigeren Öl kombinieren. Mischen Sie 2 Teile Hanfsamenöl mit 1 Teil Avocadoöl oder Arganöl für eine nährende Pre-Wash-Kur, die dennoch leicht genug bleibt, um das Haar nicht zu beschweren.
Hanfsamenöl hat einen dezent nussigen, erdigen Duft, den manche Menschen als markant empfinden. Der Geruch verfliegt größtenteils nach dem Ausspülen. Als Leave-in ist der Duft bei Zimmertemperatur schwächer als bei Erwärmung. Testen Sie dies vorab, wenn Sie empfindlich auf Gerüche reagieren.
7. Worauf sollten Sie bei der Qualität achten?
Kaltgepresstes Hanfsamenöl bewahrt das vollständige Fettsäureprofil inklusive GLA. Raffinierte Versionen sind zwar länger haltbar und geruchsneutraler, verlieren jedoch einen Teil der aktiven Bestandteile. Für die Anwendung an Haar und Kopfhaut ist kaltgepresstes Öl die bessere Wahl.
- INCI-Bezeichnung: Cannabis Sativa Seed Oil
- Farbe: dunkelgrün bis hellgrün, abhängig vom Chlorophyllgehalt. Raffiniertes Öl ist heller oder gelblich.
- Lagerung: In einer dunklen Glasflasche, kühl und vor direktem Licht geschützt.
- Verbrauch: Innerhalb von 6 bis 12 Monaten nach dem Öffnen (wegen Oxidationsanfälligkeit).
- Ein ranziger oder chemischer Geruch deutet auf Oxidation hin. Verwenden Sie das Öl in diesem Fall nicht mehr für Haut oder Haar.
8. Produkte
100 % biologisch, kaltgepresst. Reich an Linolsäure und GLA. Leichte Textur, nicht komedogen. Ideal für sensible Kopfhaut und feines Haar.
Lässt sich gut mit Hanfsamenöl für einen etwas reichhaltigeren Pre-Wash-Mix kombinieren. Länger haltbar und einfacher als Leave-in bei normalem bis trockenem Haar.
Reichhaltigeres Fettsäureprofil für trockenes oder geschädigtes Haar. Kombinieren Sie es mit Hanfsamenöl für mehr Pflege ohne unnötiges Beschweren.
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Häufig gestellte Fragen
Enthält Hanfsamenöl CBD oder THC?
Nein. Kaltgepresstes Hanfsamenöl wird aus den Samen der Hanfpflanze gewonnen und enthält weder CBD, THC noch andere Cannabinoide. Diese Stoffe finden sich in den Blüten und Blättern der Pflanze, nicht in den Samen. CBD-Öl ist ein anderes Produkt mit einem anderen Pflanzenteil als Ursprung und einer anderen Verarbeitungsmethode.
Ist Hanfsamenöl für eine fettige Kopfhaut geeignet?
Ja, Hanfsamenöl hat einen Komedogenitätswert von 0 und eine leichte Textur, die sich nicht anlagert. Damit gehört es zu den am besten geeigneten Ölen für Personen mit fettiger oder talgreicher Kopfhaut, die dennoch von den Vorzügen einer Pre-Wash-Behandlung profitieren möchten. Verwenden Sie stets eine kleine Menge und spülen Sie es gründlich mit einem milden Shampoo aus.
Warum riecht mein Hanfsamenöl ranzig?
Hanfsamenöl reagiert aufgrund seines hohen Gehalts an mehrfach ungesättigten Fettsäuren relativ empfindlich auf Oxidation. Ein ranziger, chemischer oder lackartiger Geruch ist ein Zeichen dafür, dass das Öl oxidiert ist. Verwenden Sie es dann nicht mehr auf Haut oder Haar, da oxidierte Fettsäuren Irritationen verursachen können. Lagern Sie Hanfsamenöl immer dunkel und kühl und verbrauchen Sie es innerhalb von 6 bis 12 Monaten.
Was ist der Unterschied zwischen Hanfsamenöl für die Haut und für die Ernährung?
Hanfsamenöl für kosmetische Zwecke und für die Ernährung stammen von derselben Pflanze und haben grundsätzlich das gleiche Fettsäureprofil. Der Unterschied liegt in der Qualitätskontrolle und der Verpackung. Kosmetisches Öl wird auf Hautverträglichkeit geprüft und in dunklen Flaschen abgefüllt, um die Oxidation zu minimieren. Speiseöl ist für den Verzehr bestimmt und wird entsprechend anders getestet. Wählen Sie für die Haar- und Hautpflege immer ein als Kosmetikum deklariertes Öl.
Kann ich Hanfsamenöl täglich anwenden?
Als Leave-in in den Haarlängen und Spitzen kann eine kleine Menge täglich verwendet werden, sofern die Dosierung minimal bleibt und das Haar nicht beschwert wird. Auf der Kopfhaut ist eine tägliche Anwendung als Pre-Wash-Kur nicht notwendig. Ein- bis zweimal pro Woche ist völlig ausreichend und gibt der Talgproduktion Raum, sich selbst zu regulieren.
Ist Hanfsamenöl gut für das Haar?
Hanfsamenöl ist ein leichtes, nicht komedogenes Öl mit einem hohen Anteil an Linolsäure und Alpha-Linolensäure. Es wird als Pflegeöl für Glanz, Geschmeidigkeit und zur Nährung des Haarschafts eingesetzt. Die feine Textur macht es ideal für feines oder schnell beschwertes Haar. Auch auf der Kopfhaut hilft es als leichtes Öl bei Trockenheit.
Hanfsamenöl für das Haar – Erfahrungen: Was sagen Anwender?
Anwender beschreiben ein leichtes, nicht fettendes Finish und verbesserten Glanz. Besonders geschätzt wird es von Menschen mit feinem Haar. Auf der Kopfhaut wird es bei Trockenheit und Schuppenbildung als Pre-Wash-Kur genutzt. Der Duft ist dezent krautig/grün und verfliegt nach der Wäsche.
Hanfsamenöl versus Jojobaöl für das Haar: Wo liegt der Unterschied?
Beide Öle sind leicht und vielseitig. Der Unterschied: Jojoba ist ein Wachsester, der dem menschlichen Talg am ähnlichsten ist und etwas neutraler duftet. Hanfsamenöl hat eine höhere Konzentration an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wodurch es sich etwas „trockener“ anfühlt und schneller einzieht. Beides sind exzellente Optionen für feines bis normales Haar.
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